Digitale Infrastruktur für den ländlichen Raum: WIBank begleitet Gigabit-Ausbau im Odenwaldkreis
Die Errichtung einer leistungsfähigen, digitalen Infrastruktur ist eine wesentliche Voraussetzung für die wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit und die Lebensqualität im ländlichen Raum. Im Auftrag des Hessischen Ministeriums für Digitalisierung und Innovation koordiniert die WIBank die administrative Umsetzung der Breitbandförderung des Landes Hessen. Ziel ist es, verbliebene Versorgungslücken im Hochgeschwindigkeitsnetz systematisch zu schließen und Unternehmen sowie privaten Haushalten den Zugang zu gigabitfähigen Netzen zu ermöglichen.
Ein zentrales Infrastrukturprojekt ist die Förderung des sogenannten Wirtschaftlichkeitslückenmodells im Odenwaldkreis. Der Landkreis nutzte bereits frühzeitig interkommunale Strukturen für den Breitbandausbau und setzt nun mit dem systematischen Glasfaseranschluss bis in die einzelnen Gebäude (Fiber to the Home – FTTH) den nächsten Ausbauschritt um.
In allen 12 Kommunen des Odenwaldkreises sollen verbliebene unterversorgte Bereiche – sogenannte „graue Flecken“ – beseitigt werden. Als graue Flecken gelten Adressen, die aktuell über eine Datenübertragungsrate von weniger als 100 Mbit/s verfügen und bei denen in den kommenden drei Jahren kein Telekommunikationsunternehmen einen eigenwirtschaftlichen, netzunabhängigen Ausbau plant. Unter der Federführung der Odenwald-Gigabit Gesellschaft mbH (OGG) wird so auch in entlegeneren Ortsteilen und Weilern der Zugang zu moderner Glasfasertechnologie realisiert.
Strukturierte Großfinanzierung von Bund, Land und Kommunen
Da der Ausbau in dünn besiedelten Gebieten für private Telekommunikationsanbieter wirtschaftlich nicht darstellbar ist, finanzieren Bund und Land die Schließung dieser Wirtschaftlichkeitslücke mit einem Gesamtbudget von 90 Millionen Euro. Die Fördermittel stammen aus dem Bundesprogramm „Gigabitförderung 2.0“ (50 Millionen Euro) und werden durch das Land Hessen im Rahmen der Kofinanzierung (40 Millionen Euro) ergänzt.
Als Voraussetzung für die Bewilligung bringen die beteiligten Städte und Gemeinden einen Eigenanteil von 10 Prozent der jeweiligen Investitionssumme ein. Nach Abschluss des vorgeschriebenen Markterkundungs- und Vergabeverfahrens erfolgten am 28. Oktober 2024 der offizielle Spatenstich sowie die Vertragsunterzeichnung zum Bau und Betrieb des Netzes. Der planmäßige Ausbau von rund 14.700 unterversorgten Adressen soll bis Ende 2029 abgeschlossen sein.
Projektdaten und Umsetzungsschritte im Überblick
Projektziele:
- Beseitigung von Versorgungslücken: Umfassender Ausbau gigabitfähiger Internetanschlüsse in allen 12 Kommunen des Odenwaldkreises.
- Stärkung des ländlichen Raums: Verbesserung der Standortattraktivität für ansässige und neue Unternehmen sowie Sicherung der digitalen Teilhabe der Bevölkerung.
- Gezielte Strukturförderung: Vermeidung einer digitalen Kluft zwischen urbanen Zentren und ländlich geprägten Regionen.
Realisierte und laufende Maßnahmen:
- Bedarfs- und Potenzialanalyse: Durchführung eines formalen Markterkundungsverfahrens zur Ermittlung des bestehenden Versorgungsstatus und der eigenwirtschaftlichen Ausbaupläne privater Anbieter.
- Identifikation der Fördergebiete: Lokalisierung von rund 14.700 förderfähigen Adressen im Kreisgebiet.
- Fördermittelakquise: Beantragung und Bewilligung der Bundes- und Landesmittel zur Deckung der kalkulierten Wirtschaftlichkeitslücke.
- Vergabeverfahren: Durchführung einer europaweiten Ausschreibung zur Gewinnung eines Ausbau- und Betriebspartners für das passive Glasfasernetz.
- Partnerschaftliche Umsetzung: Vergabe des Bau- und Betriebsauftrags an die PEB Breitband GmbH & Co. KG (ein Konsortium bestehend aus der ENTEGA Medianet GmbH und der Klenk & Sohn GmbH).
- Bauphase: Fortlaufende Realisierung der physischen Hausanschlüsse bis zum geplanten Projektende im Jahr 2029.
Durch die enge Kooperation zwischen dem Landkreis, den beteiligten Kommunen, dem Bund und dem Land Hessen wird eine wesentliche Voraussetzung dafür geschaffen, dass der Odenwaldkreis nach Abschluss der Bauphase über eine nahezu lückenlose Gigabit-Infrastruktur verfügt.