Gewässergüte und Ressourcenschutz: WIBank fördert neue Phosphat-Filtrationsanlage für die Großkläranlage Kassel
Der Eigenbetrieb KASSELWASSER modernisiert die Abwasserreinigung am Standort der Großkläranlage Kassel durch den Neubau einer hocheffizienten Phosphat-Filtrationsanlage. Die verfahrenstechnische Erweiterung ist erforderlich, um die verschärften behördlichen Überwachungswerte für die Einleitung gereinigter Abwässer in den Vorfluter Fulda dauerhaft und prozesssicher einzuhalten.
Die hessische Förderbank WIBank unterstützt dieses bedeutende Infrastrukturprojekt im Rahmen des Landesprogramms „Kläranlagenverbesserung“ mit einem Investitionszuschuss in Höhe von 18,3 Millionen Euro. Die verbleibenden Mittel der Gesamtinvestition von rund 36,7 Millionen Euro trägt der Eigenbetrieb der Stadt Kassel.
Effektiver Schutz vor Eutrophierung gemäß EU-Wasserrahmenrichtlinie
Das Hauptziel der verfahrenstechnischen Modernisierung ist die signifikante Reduzierung von Nährstoffeinträgen – insbesondere von Phosphor- und Stickstoffverbindungen – in die aquatischen Ökosysteme. Zu hohe Phosphatkonzentrationen in Fließgewässern führen zur Eutrophierung (Algenwachstum und Sauerstoffzehrung). Die neue Anlage leistet somit einen direkten Beitrag zur Erreichung und Sicherung des „guten ökologischen Zustands“ der Fulda gemäß den anspruchsvollen Vorgaben der EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL).
Die neue Reinigungsstufe kombiniert die biologische Phosphatelimination mit einer nachgeschalteten chemisch-physikalischen Flockungsfiltration:
- Fällmitteldosierung: In einer neuen Dosierstation werden dem Abwasser gezielt Metallsalze (Fällmittel) beigemischt, um gelöste Phosphate in unlösliche, mineralische Flocken zu überführen.
- Tiefenfiltration (Sandfilter): Das vorbehandelte Abwasser durchläuft eine neu errichtete Raumfilteranlage, die aus 18 mit Filtersand gefüllten Filterkammern besteht. Diese Filter fangen die gebundenen Phosphorflocken sowie verbliebene Schwebstoffe physisch ab.
- Infrastruktur: Flankiert wird die Filtration durch den Neubau eines verfahrenstechnischen Betriebsgebäudes sowie eines Zulaufpumpwerks, welches das Abwasser kontinuierlich aus der Nachklärung in die Filterkammern hebt.
Technologische Basis für das gesetzliche Phosphor-Recycling ab 2029
Die Kläranlage Kassel behandelt die privaten, kommunalen und industriellen Abwässer der Städte Kassel, Baunatal und Vellmar sowie des Abwasserverbandes Losse-Nieste-Söhre. Mit einer Ausbaugröße von 340.000 Einwohnerwerten (EW) gehört sie zu den größten Abwasserreinigungsanlagen im Land Hessen.
Aufgrund dieser Kapazitätsgröße fällt die Anlage unter die strengen Auflagen der novellierten Abwasserklärschlammverordnung (AbfKlärV). Diese verpflichtet Betreiber von Großkläranlagen (ab 100.000 EW) ab dem Jahr 2029 zur obligatorischen Rückgewinnung des endlichen Rohstoffs Phosphor aus den verbleibenden Klärschlämmen. Die neue Flockungsfiltration in Kassel stellt hierfür eine entscheidende technologische Weichenstellung dar: Sie sorgt dafür, dass der Phosphor hochkonzentriert im Schlamm gebunden wird, was die Effizienz der späteren rohstofflichen Verwertung im Sinne der zirkulären Kreislaufwirtschaft maximiert.
Mit dieser Investition verbinden KASSELWASSER und die WIBank modernen Gewässerschutz mit zukunftsorientierter Ressourceneffizienz für die Region Nordhessen.
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Stefanie Menz-Eisenmann
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