Wissenschaftliche Basis für die Klimaanpassung: Alsbach-Hähnlein und Zwingenberg erstellen gemeinsame Stadtklimaanalyse
Steigende Sommertemperaturen und eine Zunahme tropischer Nächte stellen Kommunen vor die Aufgabe, ihre Siedlungsräume widerstandsfähiger gegen Hitzeeinflüsse zu gestalten. Die hessischen Kommunen Alsbach-Hähnlein und Zwingenberg haben vor diesem Hintergrund eine gemeinsame Stadtklimaanalyse erstellen lassen. Das wissenschaftliche Gutachten dient den Verwaltungen und politischen Gremien künftig als verbindliche Planungsgrundlage, um die Klimaresilienz bei städtebaulichen Entscheidungen systematisch zu berücksichtigen.
Ermöglicht wurde das interkommunale Vorhaben durch das Städtebauförderprogramm „Wachstum und nachhaltige Erneuerung“. Die WIBank begleitete das Projekt als Bewilligungsstelle im Auftrag des Landes Hessen.
Strukturierte Förderung sichert kommunale Handlungsspielräume
Das am 10. Juni 2022 bewilligte und am 30. Oktober 2023 erfolgreich abgeschlossene Projekt wurde durch einen WIBank-Zuschuss in Höhe von rund 73.000 Euro finanziert. Dies entsprach einer Förderquote von rund 97 Prozent der förderfähigen Gesamtkosten von circa 76.000 Euro. Durch die Bereitstellung dieser Fördermittel konnten die beiden Kommunen eine detaillierte mikro- und mesoklimatische Untersuchung beauftragen, ohne ihre kommunalen Haushalte übermäßig zu belasten.
Die Stadtklimaanalyse liefert den Planungsämtern präzise Daten über lokale Hitzeinseln in den Ortskernen, gefährdete Kaltluftentstehungsgebiete und die Funktionsfähigkeit regionaler Luftleitbahnen. Auf dieser Basis können künftige Wohn- und Gewerbegebiete so angeordnet und gestaltet werden, dass wichtige Frischluftströme erhalten bleiben und die thermische Belastung für die Bevölkerung minimiert wird.
Mikroskalige 3D-Simulation als Planungswerkzeug
Die Analyse wurde mit dem anerkannten Stadtklimamodell FITNAH-3D (Flächendeckendes Immissions- und Temperatur-Modell für Natur und Anthropogene Quellen) in einer hohen räumlichen Auflösung von 5-Meter-Rastern durchgeführt. In die Berechnungen flossen topografische Daten, die Gebäudegeometrie, Straßenverläufe sowie die Dichte und Höhe der Vegetation ein. Die daraus resultierenden Klimafunktions- und Planungshinweiskarten zeigen präzise auf:
- Kaltluftabflüsse: Identifikation von Luftleitbahnen, die für die nächtliche Abkühlung der Wohngebiete und somit für die Erholungsqualität der Bevölkerung wesentlich sind.
- Bioklimatische Belastung: Lokalisierung von Bereichen mit hoher thermischer Belastung am Tag, in denen städtebauliche Maßnahmen wie Verschattung oder Entsiegelung Priorität erhalten sollten.
- Klimatische Ausgleichsräume: Nachweis der kühlenden Wirkung von Parks, Friedhöfen, Gärten und Baumreihen durch Verdunstung und Schattenwurf.
Die Untersuchung dokumentiert, dass unbebaute Freiflächen und funktionierende Kaltluftkorridore eine wesentliche Funktion als grüne Infrastruktur erfüllen. Die Ergebnisse fließen direkt in die bauplanungsrechtliche Abwägung ein. Bei künftigen Bebauungsplänen ermöglicht die Datengrundlage eine gezielte Steuerung – etwa durch Vorgaben zur Dach- und Fassadenbegrünung, zu offenen Bauweisen oder zur Ausrichtung von Baukörpern, um eine optimale Durchlüftung sicherzustellen.
Die WIBank als Partnerin der kommunalen Klimaanpassung
Mit der Bereitstellung von Fördermitteln aus den Städtebauförderungsprogrammen unterstützt die WIBank hessische Städte und Gemeinden dabei, die gesetzlichen Anforderungen zur Berücksichtigung des Klimawandels in der Bauleitplanung auf hohem wissenschaftlichen Niveau umzusetzen. Alsbach-Hähnlein und Zwingenberg zeigen exemplarisch, wie öffentliche Förderung die Grundlage für eine datenbasierte, zukunftsgerichtete und klimagerechte Stadtentwicklung schafft.