Wohnen und Lernen unter einem Dach:
Wie das hessische Sondervermögen das Frankfurter Schönhof-Viertel stärkt
In Frankfurt am Main fehlt es seit Jahren an bezahlbarem Wohnraum. Im neuen Schönhof-Viertel entsteht nun ein Gebäude, das zwei wichtige Funktionen auf einer einzigen Fläche vereint: eine Grundschule im Erdgeschoss und 134 Mietwohnungen in den Etagen darüber – davon werden 45 Wohnungen durch das Land Hessen und die Stadt Frankfurt sowie 78 Wohnungen nur durch die Stadt Frankfurt öffentlich gefördert.
Da freie Grundstücke in Frankfurt am Main knapp und teuer sind, müssen neue Flächen intelligent genutzt werden. Das kombinierte Wohn- und Schulgebäude im Schönhof-Viertel ist eine direkte Antwort auf diese Herausforderung. Im Erdgeschoss des Gebäudes entsteht eine moderne, vierzügige Grundschule. Direkt darüber werden 134 Mietwohnungen gebaut. Um ein ungestörtes Wohnen und Lernen zu gewährleisten, sind Schule und Wohnbereich baulich strikt voneinander getrennt: Die Wohnungen sind ausschließlich über separate Eingänge und eigene Treppenhäuser erreichbar.
Bezahlbarer Wohnraum mit langfristiger Bindung
Von den insgesamt 134 Wohnungen werden 123 Einheiten gefördert. Diese Wohnungen unterliegen einer Mietpreis- und Belegungsbindung von 30 Jahren. Das bedeutet, dass sie über diesen langen Zeitraum ausschließlich an Menschen mit entsprechendem Wohnberechtigungsschein vermietet werden dürfen.
Die Mietpreise sind dabei gestaffelt und liegen deutlich unter den üblichen Marktmieten:
- 45 Wohnungen sind für Haushalte mit geringem Einkommen reserviert. Die Anfangsmiete beträgt 5,50 Euro pro Quadratmeter.
- 78 Wohnungen werden über den zweiten Förderweg der Stadt Frankfurt vermietet. Hier liegt die Miete bei 8,50 Euro pro Quadratmeter.
- 11 Wohnungen werden frei finanziert
Energetische Ausstattung und Schallschutz
Das Gebäude wird in konventioneller Massivbauweise errichtet und mit einem mineralischen Wärmedämmverbundsystem (WDVS) gedämmt. Es entspricht dem Standard eines Effizienzhauses 40 (EH 40). Die Beheizung erfolgt über das lokale Fernwärmenetz. Auf den Dachflächen wird zudem eine Photovoltaikanlage zur Stromerzeugung installiert. Aufgrund der Lage an einer nahen Bahntrasse erhält das Gebäude integrierte Schallschutzmaßnahmen.
Strukturierte Finanzierung sichert das Projekt
Die Finanzierung der 45 landesgeförderten Wohnungen basiert auf Mitteln des hessischen Sondervermögens „Wohnungswesen und Zukunftsinvestitionen“ und weiteren Treuhandmitteln des Landes Hessen. Die WIBank stellt hierfür ein zinsgünstiges Darlehen mit einer Zinsbindung von 25 Jahren und einen Finanzierungszuschuss inkl. eines Zuschlags für das Erreichen des EH-40-Standards bereit. Während der ersten Festzinsperiode übernimmt das Land Hessen die Zinskosten vollständig.
Stefan Renz, Abteilung Wohnungs- und Städtebau der WIBank: „Über das Sondervermögen ‚Wohnungswesen und Zukunftsinvestitionen‘ und weitere Treuhandmittel des Landes Hessen finanzieren wir gezielt den Bau von gefördertem Wohnraum in anspannungsorientierten Wohnungsmärkten wie Frankfurt am Main. Die Kombination aus sozialer Wohnraumförderung und der Erreichung des Effizienzhaus-40-Standards zeigt, wie wir bezahlbaren Wohnraum mit der Erfüllung energetischer Vorgaben verbinden können.“
„Wir schaffen nicht nur dringend benötigten Wohnraum, sondern zugleich einen modernen Bildungsort für die nächste Generation. Hessens erste Hybridschule zeigt, wie innovative Quartiersentwicklung gelingen kann. Die Verbindung von moderner Architektur, hoher Aufenthaltsqualität und nachhaltiger Bauweise stärkt die soziale Infrastruktur im Quartier nachhaltig.“, Dr. Thomas Hain, Leitender Geschäftsführer der Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte I Wohnstadt.
Das Projekt zeigt, wie bezahlbares Wohnen und eine Schule auf einem einzigen innerstädtischen Grundstück gemeinsam realisiert werden können – als eine mögliche Antwort auf den Mangel an freien Flächen in Städten wie Frankfurt. Ob dieser Ansatz auf anderen Standorten wiederholbar ist, hängt von den jeweiligen planungsrechtlichen und fördertechnischen Voraussetzungen ab.