© Ralf Baumgarten

Nachhaltige Konsumkompetenz fördern: WIBank unterstützt Bildungskooperation im Landkreis Limburg-Weilburg

Im integrierten Klimaschutzkonzept des Landkreises Limburg-Weilburg bildet die zielgerichtete Umweltbildung eine der zentralen Säulen, um das Bewusstsein für ressourcenschonende Lebensweisen in der Region langfristig zu stärken. Unter dem Leitmotiv „Klimaschutz in der Bildung“ initiiert das kommunale Klimaschutzmanagement in Kooperation mit der regionalen Umweltberatung kontinuierlich Bildungsangebote. Das Programm richtet sich neben Kindertagesstätten und Schulen gezielt auch an Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte als Multiplikatoren.

Die altersgerecht konzipierten BNE-Module (Bildung für nachhaltige Entwicklung) vermitteln Kindern und Jugendlichen die ökologischen Zusammenhänge von Ressourcenverbrauch, erneuerbaren Energien, Landnutzung und Ernährung. Ein besonderer Fokus liegt auf der Verknüpfung von schulischem und außerschulischem Lernen, um theoretisches Wissen direkt in der Praxis erfahrbar zu machen.

Synergien nutzen: Die Kooperation von Schule und Kloster Gnadenthal

Ein etabliertes Beispiel für diesen anwendungsorientierten Ansatz ist das im Frühjahr 2020 gestartete Kooperationsprojekt zwischen der Schule im Emsbachtal und der Jugendbildungsstätte „Nehemia-Hof“ der Jesus-Bruderschaft im Kloster Gnadenthal.

Die Schule im Emsbachtal – eine kooperative Gesamtschule – wurde für ihre pädagogische Arbeit bereits mehrfach ausgezeichnet, unter anderem durch Nominierungen für den Deutschen Schulpreis und den Deutschen Lehrerpreis. Das Partnerschaftsprojekt führt die Schülerinnen und Schüler auf das angeschlossene Hofgut des Klosters, wo sie die landwirtschaftliche Praxis direkt vor Ort erleben:

  • Verständnis der Lebensmittelproduktion: Die Teilnehmenden lernen den Arbeits- und Ressourcenaufwand kennen, der für die Erzeugung saisonaler und regionaler Lebensmittel erforderlich ist.
  • Sensibilisierung für Lieferketten: Auf Basis der Praxiserfahrungen werden im Unterricht globale Zusammenhänge von Landnutzung, Transportwegen, Verteilungsgerechtigkeit und dem individuellen Konsumverhalten erarbeitet.
  • Förderung der Gestaltungskompetenz: Das Projekt befähigt die Jugendlichen, den CO?-Fußabdruck verschiedener Ernährungsweisen kognitiv zu erfassen und nachhaltigere Konsumentscheidungen zu treffen.

Best Practice im Rückblick: Krisenresilienz durch digitale Lernkonzepte

Wie viele praxisorientierte Bildungsprojekte stand auch die Kooperation im Landkreis Limburg-Weilburg im Jahr 2020 vor den Herausforderungen der Corona-Pandemie. Da physische Besuche auf dem Bauernhof temporär nicht realisierbar waren, mussten die Beteiligten kurzfristig alternative Wege der Wissensvermittlung entwickeln.

Das folgende Interview mit der Klimaschutzmanagerin Verena Nijssen wurde im Oktober 2020 aufgezeichnet und dokumentiert, wie das Netzwerk durch den Einsatz digitaler Medien die Fortführung des Projekts sicherstellte:

Frau Nijssen, wie wirkten sich die damaligen Pandemie-Maßnahmen auf das frisch gestartete Kooperationsprojekt aus und wie haben Sie darauf reagiert?

Verena Nijssen: Die Einschränkungen trafen uns unmittelbar nach dem Projektstart. Die geplanten Exkursionen der Schulklassen auf das Hofgut mussten aus Infektionsschutzgründen komplett ausgesetzt werden. Da die Kooperation jedoch essenziell von den praktischen Eindrücken vor Ort lebt, stand das Projekt vor einer kritischen Bewährungsprobe.

Allen Beteiligten war wichtig, das Projekt nicht abzubrechen. Dank der engen und vertrauensvollen Abstimmung zwischen der Schule im Emsbachtal und dem Team des Nehemia-Hofs konnten wir zügig ein Alternativkonzept erarbeiten.

Wie wurde die Wissensvermittlung unter diesen veränderten Bedingungen fortgeführt?

Verena Nijssen: Da Präsenzveranstaltungen nicht möglich waren, haben wir uns für einen digitalen Wissenstransfer entschieden. Die ausgefallenen Erkundungstage auf dem Hofgut wurden kurzfristig durch eine Serie thematischer Kurzfilme und interaktiver Lernvideos ersetzt. Das Team des Bauernhofs hat die pädagogischen Inhalte vor der Kamera demonstriert, während das örtliche Medienzentrum uns tatkräftig mit professionellem Kamera-Equipment und beim Videoschnitt unterstützt hat. Durch diesen koordinierten Einsatz des regionalen Netzwerks konnten wir die Lerninhalte direkt in die digitalen Klassenzimmer und ins Homeoffice der Schüler transportieren.

Welche langfristigen Erkenntnisse nehmen Sie aus dieser anspruchsvollen Projektphase für die künftige Kooperationsarbeit mit?

Verena Nijssen: Die Krise hat uns sehr deutlich gezeigt, wie wertvoll belastbare regionale Netzwerke sind. Wenn alle Partner – vom Schulträger über die Landwirtschaft bis hin zu den Medienzentren – an einem Strang ziehen, lassen sich auch unvorhergesehene strukturelle Hindernisse erfolgreich kompensieren. Die Flexibilität und das hohe Engagement der Beteiligten haben dieses Projekt getragen. Für die Zukunft der Umweltbildung zeigt dieses Beispiel, dass eine intelligente Kombination aus digitalem Begleitmaterial und physischer Präsenz vor Ort die Qualität des Wissenstransfers nachhaltig stärken kann.

Förderhintergrund

Das innovative Bildungsprojekt wurde von der WIBank im Rahmen des hessischen Landesprogramms zur Förderung von Informationsinitiativen im Bereich des Klimaschutzes und der Klimaanpassung mit einer Zuwendung in Höhe von 16.200 Euro unterstützt. Das Programm fördert gezielt kommunale Maßnahmen, die durch Aufklärung, Dialog und Wissenstransfer die Umsetzung der lokalen Klimaschutzziele aktiv unterstützen.

 

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