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26.03.2026

Zukunft der Nachhaltigkeitsberichterstattung: Europas Kurs zwischen Entlastung und Vergleichbarkeit

Veranstaltung der Reihe „Finanzwelt in Europa“ ausgerichtet vom Land Hessen, der Helaba, der WIBank und dem Sustainable Finance Cluster

Brüssel, 25. März 2026 – Die erste diesjährige Veranstaltung der Reihe „Finanzwelt in Europa“ fokussierte sich auf die zentrale Frage, wie Europa die Nachhaltigkeitsberichterstattung vereinfachen und praktikabel gestalten kann, dass Unternehmen entlastet werden, ohne Qualität und internationale Vergleichbarkeit der Daten zu gefährden. Eingeladen hatten die Helaba, die Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen (WIBank), das Land Hessen in Kooperation mit dem Sustainable Finance Cluster aus Frankfurt. Zahlreiche Gäste aus Politik, Wirtschaft, EU‑Institutionen und diplomatischen Vertretungen nahmen teil.

Europa zwischen eigenem Ansatz und globaler ISSB‑Baseline

Im Mittelpunkt der Diskussion stand die Weichenstellung für künftige Ausrichtung der europäischen Nachhaltigkeitsberichterstattung: Soll die EU an einem eigenständigen, detaillierten Regelwerk festhalten – oder sich stärker der globalen ISSB‑Baseline annähern?

Ausgangspunkt waren die im Dezember 2025 im Rahmen des Omnibus‑I‑Pakets beschlossenen Reformen, die auf eine Verschlankung der Berichtspflichten abzielen. 

Ab 2029 gelten Sorgfaltspflichten nur noch für große Unternehmen.

  • Branchenspezifische Vorgaben für kleinere Unternehmen und KMU werden freiwillig.
  • Rund 90 % der bisher berichtspflichtigen Unternehmen sollen künftig selbst wählen können, ob sie nach ESRS, VSME, GRI, ISSB oder anderen Standards berichten möchten.

Für die Finanzbranche bringen die Reformen klarere Schwellenwerte, weniger Komplexität und verlässlichere ESG‑Daten – eine wichtige Grundlage für Risikobewertung, Kreditvergabe und Finanzierung. Entscheidend bleibt jedoch die Frage, wie Entlastung und internationale Anschlussfähigkeit in Einklang gebracht werden können.

Nachhaltigkeitsdaten als Grundlage moderner Finanzierung

In einer Videobotschaft begrüßte Manfred Pentz, Minister für Bundes‑ und Europaangelegenheiten, Internationales und Entbürokratisierung, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Dr. Michael Reckhard, Mitglied der WIBank‑Geschäftsleitung, betonte anschließend die wachsende Bedeutung nachhaltiger Finanzierung in der Kreditvergabe. Banken begleiteten Unternehmen langfristig und seien auf verlässliche Informationen zu Geschäftsmodellen, Investitionsstrategien und Transformationsrisiken angewiesen.

Omnibus‑Paket: Weniger Bürokratie, mehr Klarheit

Die Reformen sollen die Nachhaltigkeitsberichterstattung praxistauglicher gestalten. Für Unternehmen bedeutet dies weniger Berichtspflichten; für Banken verlässlichere und besser einzuordnende Daten. Gleichzeitig wird betont, dass Kreditinstitute weiterhin ausreichende ESG‑Informationen benötigen, um Transformations‑ und Investitionsentscheidungen solide beurteilen zu können.

Internationale Vergleichbarkeit als Erfolgsfaktor

Angesichts der zunehmenden Bedeutung internationaler Kapitalströme gewinnt die internationale Anschlussfähigkeit europäischer Standards weiter an Relevanz. Besonders deutlich wurde dies in der Liveschaltung zur ISSB‑Zentrale in Kanada, bei der Sue Lloyd, Vizevorsitzende des ISSB, die globale Weiterentwicklung der Nachhaltigkeitsstandards sowie die Bedeutung international abgestimmter Rahmenwerke für konsistente und vergleichbare ESG‑Daten erläuterte.

Impulse aus der Paneldiskussion

  • Markus Ferber (MdEP, ECON-Ausschuss) habe betont, dass Bürokratie reduziert und der Mittelstand entlastet werden müsse, ohne die notwendige Transparenz zu gefährden.
  • Petra Sandner (Helaba) hob hervor, dass trotz reduzierter Regulierung qualitativ hochwertige ESG‑Daten essenziell für die Finanzierung der Transformation seien.
  • Sven Gentner (Europäische Kommission, GD FISMA) verwies darauf, dass eine ausgewogene Balance zwischen Entlastung und zugleich international anschlussfähigen, verlässlichen Daten erforderlich sei.
  • Sue Lloyd betonte, dass globale Rahmenwerke die Vergleichbarkeit stärken und Unternehmen verlässliche Nachhaltigkeitsinformationen bereitstellen sollten, die unterschiedlichen Anforderungen gerecht werden und Investoren weltweit Orientierung bieten.
  • Daniel Sonnenburg (Deutsche Börse Group) ergänzte, dass Kapitalmärkte auf konsistente, verlässliche und vergleichbare Daten angewiesen seien, um Kapital effizient allokieren zu können.

Frankfurt als Knotenpunkt nachhaltiger Finanzierung

Der Finanzplatz Frankfurt nimmt eine zentrale Rolle ein, da er Expertise, Marktzugang und Infrastruktur für nachhaltige Finanzierungen bündelt. Besonders für mittelständische Unternehmen sind verlässliche ESG‑Daten entscheidend, um Transformationsprozesse planbar umzusetzen.

Die Veranstaltung zeigte klar: Eine effiziente, international anschlussfähige Nachhaltigkeitsberichterstattung ist ein entscheidender Erfolgsfaktor für die Wettbewerbsfähigkeit und die grüne Transformation der europäischen Wirtschaft. Einigkeit bestand darin, dass nachhaltige Finanzierung nur im Zusammenspiel aller Akteure gelingen kann und der Dialog fortgesetzt werden muss.

Die nächste Veranstaltung der Reihe „Finanzwelt in Europa“ findet am 3. November 2026 statt.

Die vollständige Diskussion können Sie einsehen unter: Livestream

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