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Global Player Marketing: „In Zeiten wie diesen muss man extrem schnell umdenken“

Global Player Marketing aus Brensbach im Odenwald ist auf die Beschaffung, Produktion und Entwicklung unterschiedlichster, meist individuell gefertigter Werbemittel spezialisiert. Zum Sortiment gehören mit Firmenlogo versehene Standardwerbemittel, wie Elektronikartikel, Basecaps, Taschen, Kugelschreiber, Textilien, ökologische Werbeartikel und vieles mehr. Zu 90 Prozent jedoch stellt das 2007 gegründete Unternehmen Spezialanfertigungen für seine Kundschaft her, zu der sowohl Mittelständler als auch internationale Großkonzerne gehören. Dabei setzt Global Player Marketing entweder direkt die Ideen der Kunden um oder entwickelt selbst passende Werbemittel, die oftmals aus Materialien oder Abfall des Kunden produziert werden.

Diese Flexibilität sowie gute und vertrauensvolle Kontakte weltweit, aber vor allem nach China, haben Geschäftsführer Jens Rabenstein und seiner Firma während der Corona-Krise die Existenz gesichert. Warum das so ist und welche Rolle die WIBank dabei gespielt hat, berichtet er im Interview:

Die Werbemittelbranche entwickelt sich doch sicher sehr konjunkturzyklisch. Welche Folgen hatte der Corona-bedingte Shutdown für Ihr Unternehmen und wie haben Sie darauf reagiert?

In der Tat war das Herunterfahren sämtlicher Aktivitäten für das Werbemittelsegment ein Fiasko. Aufträge wurden von heute auf morgen komplett auf Eis gelegt, der Markt ist um 98 Prozent eingebrochen. Und selbst jetzt, da langsam wieder Lockerungen greifen und wir Schritt für Schritt wieder in den Alltag finden, bestellen Unternehmen längst nicht so viele Werbemittel wie vor der Krise. Dabei sollten sie doch jetzt eigentlich erst recht Werbung machen.

Ich muss aber zugeben, dass wir die Situation bisher sehr gut gemeistert haben. Als mir klar wurde, dass sich auch bei uns die Lage möglicherweise ähnlich wie in Wuhan entwickeln könnte, mussten wir extrem schnell umdenken. Entsprechend frühzeitig habe ich mich mit der Frage befasst, was sich am besten für den deutschen Markt importieren lässt und wem wir diese Produkte dann anbieten können. So kam es, dass wir uns schon im März dieses Jahres auf Produkte der Medizintechnik spezialisiert haben. Im Eilverfahren haben wir uns um Hersteller, Produktionskapazitäten und Lieferanten unter anderem für Masken, Schutzanzüge und Fieberthermometer  gekümmert. Das waren wirklich harte Wochen. Denn die deutschen Bestimmungen und Vorgaben sind richtigerweise sehr streng, weshalb wir im Vorfeld Unmengen an Informationen einholen und verarbeiten mussten. Unsere guten Kontakte zu Pharmaproduzenten haben uns da sehr geholfen.

Was waren dabei die großen Herausforderungen?

Da gab es eine Menge. Angefangen damit, dass in China plötzlich jede Fabrik sogenannte Community-Masken herstellen musste. Das Problem an diesen Masken ist, dass man sie als Laie nicht von den medizinischen Masken unterscheiden kann. Medizinische Masken verfügen über bessere Filtereigenschaften und einen Aerosol-Schutz, der keine Tröpfchen durchlässt. Hinzu kam, dass viele Zertifikate in China gefälscht waren. Daher mussten wir erst einmal alle Zertifikate überprüfen, um einen vertrauenswürdigen Hersteller zu finden. Nachdem wir also Produzenten ausfindig gemacht haben, die auch europäischen Standards entsprechende Ware liefern, konnten wir uns endlich an die Auftragsvergabe machen.

Als erste Hauptzielgruppen haben wir Kliniken, Diakonien, die Polizei sowie das Land Hessen und den Bund angesprochen, also Einrichtungen und Institutionen, die einen besonders hohen Bedarf an echter und sicherer Schutzausrüstung haben.

Wie ging es dann weiter?

Von der hessischen Polizei erhielten wir dann den ersten Auftrag, da sie dringend Masken benötigt. Nach unserer Angebotserstellung gab es zwei Rückfragen, die haben wir zügig beantwortet, und dann gab es auch schon eine Großbestellung über mehrere hunderttausend Masken. Diese Größenordnung konnten wir allerdings nicht auf Anhieb finanzieren. Ein befreundeter Geschäftskollege hat mich dann auf die verschiedenen Förderprogramme im Rahmen des Corona-Schutzschirmes hingewiesen.

Welche Erfahrungen haben Sie auf dem Weg zur Förderung gemacht?

Unsere Hausbank, die Sparkasse Odenwaldkreis, stand uns in der Krise fest zur Seite. Unser Berater Thomas Schenk hat uns über verschiedene Finanzierungsmöglichkeiten informiert und alle Hebel in Bewegung gesetzt, damit wir schnell an Fördergeld kommen. Bei der WIBank haben wir einen Antrag auf Liquiditätshilfe für hessische KMU gestellt. Innerhalb von gut einer Woche wurde das Darlehen in Höhe von 150.000 Euro schon ausgezahlt. Damit können wir einerseits den Auftrag finanzieren, andererseits noch die Kurzarbeiter-Löhne vorlegen.

Sind die Masken mittlerweile bei der hessischen Polizei angekommen?

Nein, das wird leider noch etwas dauern. Nach Auftragserteilung haben sich dann doch noch einige Stolpersteine aufgetan. So haben sich z.B. die Flugfrachtkosten von 4,80 auf über 20 US-Dollar pro Volumenkilo erhöht. Dadurch wären die Transportkosten für die Masken von 11.000 Euro auf 108.000 Euro gestiegen, das ist enorm. Wir mussten also einen anderen Weg finden. Wichtig war aber  immer ein direkter Transportweg, da bei Verbindungen mit Zwischenstopps die Gefahr besteht, dass Ware entnommen und konfisziert wird. Die Entscheidung fiel schlussendlich auf eine direkte Schiffsverbindung nach Hamburg. Das dauert in der Regel 6 Wochen plus 1-2 Wochen Lagerung beim Zoll. Aber Ende Juni sollten die Masken dann endlich im Pandemielager des Landes Hessen eintreffen.

Wie geht es in Zukunft bei Ihnen weiter?

Es scheint Konsens darüber zu herrschen, dass es einerseits eine zweite Welle geben und andererseits COVID-19 nicht die letzte Pandemie sein wird. Wir alle ziehen daraus sicher einige Lehren, insbesondere was den Vorrat an zertifizierter Schutzausrüstung anbelangt. Daher werden wir auch in Zukunft alles rund um das Thema Schutzausrüstung weiter im Angebot behalten.

Sobald die Wirtschaft sich etwas erholt, rechne ich für unser Unternehmen wieder mit einem deutlichen Auftragsanstieg, auch aus dem nicht-medizinischen Bereich. Daher blicke ich zuversichtlich in die Zukunft.

Dieses Interview führten wir während der Corona-Krise im Juni 2020.

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