® Carré Mobility

Carré Mobility - soziale und nachhaltige Mobilitätsplattform

Interview mit Franziska Weiser: "...wie beim Schach, für jede Situation einfach den bestmöglichen Zug setzen."

Aus persönlicher Erfahrung gründete Franziska Weiser im Jahr 2019 das Start-up Carré Mobility in Rüsselsheim. Ihr fiel auf, dass als Bewohnerin eines Mehrparteienhauses im Einzugsgebiet der Großstadt Frankfurt am Main der ÖPNV zwar vorhanden, aber nicht für alle Ziele ideal ist. Es kaum Sharing-Angebote gab, die Versorgungsmöglichkeiten sich immer stärker konsolidieren und dabei besonders mobilitätseingeschränkte Menschen mit Herausforderungen konfrontiert werden. Weiser beschloss, hier mit ihrer Leidenschaft für Zukunftsmobilität anzusetzen.

Carré Mobility: die soziale und nachhaltige Mobilitätsplattform für Nachbarschaften war geboren, für die es jetzt hieß, Partner und Finanzierung zu finden. Das Konzept von Carré ist speziell auf die Bedürfnisse von Quartieren im (sub-)urbanen Raum ausgelegt, wobei drei Kernfunktionen im Zentrum stehen: "Selbstfahren", d.h. bedarfsgerechtes und stationsbasiertes Sharing vom Auto bis Lastenfahrrad direkt in der Nachbarschaft, "Mitfahren", also eine Fahrgemeinschaftslösung, und "Mitbringen", ein Mitbring-Dienst für die Dinge des täglichen Bedarfs. Gerade jetzt in der Pandemie eine Funktion, die an Bedeutung gewonnen hat.

Im Oktober 2020 wurde das Projekt mit dem Deutschen Mobilitätspreis ausgezeichnet und setzte sich mit seinem innovativen Konzept gegen rund 300 andere Start-ups durch. Anlass für uns, einmal nachzufragen, was seitdem passiert ist und wie es dem Unternehmen derzeit geht.
 

Interview

Wie betrifft Sie und Ihr Projekt die aktuelle Corona-Situation? Wie gehen Sie damit um?
Carré Mobility entwickelt sich nach wie vor ständig weiter. Wir sind jetzt in den letzten Zügen der Entwicklung unserer App, aber standen zu Beginn der ersten Corona-Welle noch am Anfang. Eigentlich wollten wir alle Funktionen gleich gewichtet umsetzten. Durch die Corona-Pandemie mussten wir priorisieren, da nicht alle Funktionen von Carré Mobility aktuell vollumfänglich genutzt werden können (Stichwort: „Fahrgemeinschaften“). Daher haben wir uns dafür entschieden, der Funktion „Mitbringen“ zu beginnen. In Berlin, ein weiterer Standort unseres Projektes, ist es uns gelungen, gerade dem sozialen Aspekt von Carré Mobility eine neue Note zu geben. Wir konnten miterleben, dass wir durch unser Projekt eine neue Verbindung der Anwohner zu den lokal ansässigen Gewerbetreibenden schaffen konnten. Beide Seiten konnten davon profitiert – die Angebote der Läden, des Einzelhandels und der Gastronomie haben so über einen neuen (zusätzlichen) Weg zum Kunden gefunden.
Eins haben wir daraus gelernt, Unerwartetes kann jederzeit passieren, durch flexibles Agieren und Reagieren können wir allerdings versuchen, das Beste aus jeder Situation zu machen - wie beim Schach für jede Situation einfach den bestmöglichen Zug setzen.

Lassen Sie uns jetzt doch nochmal einen Schritt zurückgehen und erzählen Sie uns doch ein wenig darüber, was Ihr Unternehmen einzigartig macht und von anderen Carsharing-Angeboten unterscheidet?
Mobilität wird bei Carré Mobility neu definiert. Wir setzen Mobilität nicht mit einer reinen Fahrzeugnutzung gleich, sondern verstehen sie als ein Grundbedürfnis, welches je nach Menschen und Situation ganz unterschiedlich ausgestaltet werden möchte. Bei schönem Wetter möchte ich Fahrrad fahren, bei Regen mit dem Auto. Manchmal will oder kann ich nicht selbst fahren, dann wäre es schön, wenn mich Jemand mitnehmen könnte, oder, wenn ich gar nicht mobil sein kann/möchte, dann wäre es toll, wenn die Dinge, die ich benötige, mobil sein könnten und zu mir kämen.
Wir wollen nicht der 1001. Sharing-Anbieter sein und differenzieren uns neben der neuen Mobilitätsdefinition auch darüber, dass wir bewusst nicht in Innenstädte, sondern in die Einzugsgebiete gehen. Dorthin also, wo es aktuell kaum komfortable Alternativen zum eigenen Fahrzeug gibt. Wenn man sich aktuelle Sharing-Konzepte in Mittelzentren ansieht, dann stellt man schnell fest, dass man hier meist nur auf Fahrzeuge an sogenannten points of interest, wie beispielsweise an Bahnhöfen oder Einkaufszentren, zugreifen kann. D.h. bei diesen Konzepten hat man bereits immer auch einen Weg einzukalkulieren, um ein Miet-Fahrzeug zu erreichen.
Deshalb war mir wichtig, dass wir individuelle Stationen mit unterschiedlichen mobilen Angeboten direkt in den Nachbarschaften anbieten müssen, um sich je nach Bedürfnis und Situation frei entscheiden zu können, wie man sich fortbewegen möchte. Eine weitere, wenn nicht die wichtigste Komponente bei der Umsetzung der Projekte, ist die Menschen bei der Gestaltung und Einführung des Projektes von Beginn an mitzunehmen. Denn eine wirkliche Verkehrswende wird man nur herbeiführen, wenn das Thema für Menschen begreifbar wird, insbesondere für diejenigen, die etwas Anderes gewohnt sind.

War die Gründung schwierig? Gab es Probleme/Vorurteile etc.? Was raten Sie anderen Gründern?
Die Gründung selbst war eigentlich nicht schwer. Wobei ich hier sehr froh bin, dass ich Norbert (Mitgründer von Carré) an der Seite hatte. Er hat bereits einige Unternehmen gegründet und konnte mich daher mit den Formalien usw. unterstützen. Eine Herausforderung war eher das eigene Erwartungsmanagement. Ich habe so etwas in der Form ja vorher noch nie gemacht und ich will ehrlich sein, am Anfang dachte ich, dass wir innerhalb von einem halben Jahr doch sicher die gesamte Plattform mit all ihren Funktionen fertig haben können. Tja, das war natürlich nicht der Fall. Wir haben jetzt die erste Funktion gelauncht und werden noch das gesamte Jahr mit der Realisierung der anderen Funktionen gut zu tun haben. Das ist ein Lernprozess, dem man offen gegenüber sein sollte. Unsere Entwicklung jetzt ist deutlich effizienter als noch vor einem halben Jahr. Wir priorisieren besser und kommen dadurch schneller voran.
Ein weiterer Ratschlag wäre, nie den Kundenkontakt zu verlieren. Es bringt nichts im stillen Kämmerlein vor sich hin zu werkeln, um am Ende dann festzustellen, dass man am Bedarf vorbei entwickelt hat. Aus diesem Grund haben wir gleich zu Beginn den Fokus auf zwei Pilotprojekte gelegt und gemeinsam mit tollen Partnern unsere frühen Ansätze direkt verprobt. In Rüsselsheim haben wir beispielsweise mit dem lokalen Wohnungsbaukonsortium (gewobau, Nassauische Heimstätte, bauverein AG), der Stadtverwaltung und dem Research Lab of Urban Transport der Frankfurt University of Applied Sciences eine umfangreiche Potentialanalyse in einem Pilotquartier durchgeführt. Als Ergebnis haben wir konkrete Gestaltungswünsche und die Aussage, dass 2/3 der Befragten Carré nutzen würden. Das möchten wir entlang der gesamten Entwicklung beibehalten. Durch den partizipativen Ansatz können wir die Menschen weiter in den Entwicklungsschritten mitnehmen, begeistern und unsere App auf die realen Bedürfnisse ausrichten.

Wie haben Sie es letztendlich geschafft Ihren Traum zu finanzieren und wie sind Sie auf dem Weg dorthin auf die WIBank bzw. das Produkt Hessen-MikroCrowd aufmerksam geworden?
Wir haben uns gerade ganz zu Beginn, als Carré noch nicht viel mehr als eine Idee war, Gedanken gemacht, wie wir die Entwicklung finanzieren könnten. Da unser Ansatz vor allem Nachhaltigkeit und die Stärkung der Gemeinschaft in den Vordergrund stellt, sind wir relativ schnell auf die Möglichkeit von Crowdfunding aufmerksam geworden. Nach einer Recherche zu den verschiedenen Plattformen haben wir uns für eine Kampagne bei Startnext entschieden. In dessen Rahmen haben wir uns auf die „Co-Finanzierung“ der WIBank in Form der Hessen-MikroCrowd beworben. Wir sind sehr froh, dass unsere Hoffnung auf eine erfolgreiche Kampagne und ein bewilligter Antrag bei der WIBank tatsächlich erfüllt wurde, unser Projekt auf Interesse gestoßen ist und wir unser Finanzierungsziel erreichen konnten. Das war im Prinzip auch eine Art Bewährungsprobe für unser Projekt.

Können Sie optimistisch in die Zukunft blicken? Die Krise wird Wirtschaft und Gesellschaft voraussichtlich stark verändern. Was treibt Sie an?
Meine Vision einer neuen nachhaltigen und inklusiven Mobilität. Mich treibt an mit jedem kleinen Schritt den wir gehen, näher zu diesem Idealzustand zu kommen und somit eine Situation zu schaffen, in der keiner mehr ein eigenes Auto besitzen muss, weil er oder sie wissen, dass sie sich auf eine geteilte, flexible und mobile Lösung, sprich Carré Mobility, verlassen können.
Ich weiß, wir müssen jetzt erstmal die ersten Schritte gehen. Aber wenn ich mir erlaube, in die langfristigere Zukunft zu denken, dann ist mein Ziel, die entstehenden Mobilitätshubs mit einander zu einer Art pulsierendem Sharing zu verbinden. Ein Sharing von Fahrzeugen, Mitfahrgelegenheiten und Lieferdiensten. So könnten wir ein flächendeckendes Mobilitätsnetzwerk genau dort schaffen, wo es momentan noch keine solcher Lösungen gibt, also eine grundsätzliche Befähigung der Nachbarschaften aller Ortens.

Wir führten das Interview mit Franziska Weiser, der Gründerin und Geschäftsführerin, im März 2021.


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